Von Politik ernüchtert
Wolfgang Müller gibt Vorsitz im Deutsch-Israelischen Verein ab

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Ulm muss sich einen neuen Vorsitzenden suchen. Wolfgang Müller gibt das Amt ab. Unter anderem deshalb, weil er die aktuelle Politik Israels nicht mehr vertreten will.

JÜRGEN BUCHTA

Ulm  . Zwölf Jahre lang hat Wolfgang Müller, 71, die Arbeitsgemeinschaft Ulm/Neu-Ulm der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) geleitet. Jetzt hat er in einem Schreiben an die SÜDWEST PRESSE und seine Vereinskollegen den Rücktritt zum 31. Juli 2009 erklärt.
 
Müller führt mehrere Gründe an, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben. Zum Staat Israel stehe er nach wie vor ohne Einschränkungen, schreibt er. Bei der derzeitigen Regierung Benjamin Netanyahu/Avigdor Lieberman falle es ihm aber immer schwerer, "in der Öffentlichkeit den Staat Israel und seine aktuelle offizielle Politik zu vertreten und zu verteidigen. Soweit ich dies erkennen kann, dient die Politik dieser israelischen Koalition weniger dem Frieden, sondern sie bedient vielmehr eine bestimmte Ideologie und die kalkuliert weitere Gewalt mit ein", schreibt Müller.
 
Für Rückfragen war er den ganzen Tag über nicht zu erreichen. Genauso wenig wie seine Stellvertreter Martin Tränkle und Martin Stoldt aus Apfelstetten.
 
Stoldt hat Müller am Donnerstag vergangener Woche im Vorsitz des "Fördervereins zur Unterstützung des Baues einer neuen Synagoge in Ulm" abgelöst. "Damit entfiel für mich die letzte Notwendigkeit, am Vorsitz in der Arbeitsgemeinschaft in Ulm festzuhalten", betont Müller. Dieser Förderverein entstand im Mai 2007 aus der DIG-Arbeitsgemeinschaft heraus.
 
Es gab aber auch viel Zoff und harte Flügelkämpfe in der gut ein Dutzend Mitglieder zählenden Ulmer Arbeitsgemeinschaft, die Müller derart zugesetzt haben, dass er das Handtuch warf. "Zu beklagen ist, dass die Arbeit im Vorstand seit nunmehr anderthalb Jahren zunehmend vom kleinlichen Streit und vom hemmungslosen Ausleben persönlicher Befindlichkeiten geprägt war", teilt er mit. Von einer kontinuierlichen Arbeit könne längst keine Rede mehr sein. "Ein Ende dieser Streitigkeiten ist unter meinem weiteren Vorsitz nicht zu erkennen."
 
Müller beklagt eine "gegen Null tendierende" Bereitschaft der Mitglieder mitzuarbeiten. "Wir können noch so gute Veranstaltungen machen, die uns auch viel Geld kosten. Unsere Mitglieder nehmen daran nicht teil." Die Mitgliederversammlungen seien beschämend schwach besucht. Als planender Vorsitzender fühle er sich allein gelassen. Sein Schritt bedeute allerdings nicht, dass er aus der DIG austrete.
 
Müller weist auch darauf hin, dass er unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen leide. Die hindern ihn aber freilich nicht daran, sich wieder verstärkt der FDP und ihrem Wahlkampf zuzuwenden.
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 28.07.2009

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