Seelenvoll auskosten
Das Kammerorchester Ulmer Studenten
Gediegene Klassik, südländisches Kolorit, Opern-Dramatik: Das Kammerorchester Ulmer Studenten gefiel beim Konzert im Stadthaus. Sehr wörtlich nahm Philipp Vogler gleich das Lentement im Ouvertüren-Allegretto von Händels Concerto Grosso op.6/Nr. 10, womit er dem Werk den feierlich getragenen Ton gab, der die Wiedergabe insgesamt prägen sollte. Damit tauchte der Mann am Pult mit seinem Orchester in eine Welt ein, in der beide sich spürbar wohlfühlen. In breitflächige, schwelgerische Streicherklänge, sinnlich und reich an seelenvoll ausgekosteten Valeurs.
Danach klang die Wiedergabe der Mozartschen "Haffner"-Sinfonie KV 385 trotz Bläser-Verstärkung so, als wollten die Ausführenden noch ein wenig in jener Händel-Welt verweilen. Das auftrumpfende Thema des Kopfsatzes kam zwar mit Temperament, lässt sich aber durchaus mit mehr "con spirito" denken. Statt auf rhythmische und dynamische Schärfung setzte Vogler auch hier auf organische Klangentwicklung und fließendes Melos. Eine in sich stimmige Interpretation, mit einem freilich in pauschalen Schönklang getauchten Mozart.
Etwas selbstversonnen erklang auch Faurés Pavane, während das südländische Kolorit in Werken von Canteloube, Catalani und Puccini zum Blühen kam. Reizvoll wirkten so die wie in stehender Mittagshitze kreisenden Orchesterlieder Canteloubes, in die Hèléne Linquist mit silbrig schillerndem Sopran glutvoll lyrische Linien zog. Tiefempfunden ihre Wally-Arie, ein absoluter Höhepunkt ihr "Madame Butterfly"-Duett mit dem arg geforderten Tenor Bastian Ziegler. Auch dafür gab es rundum herzlichen Beifall. lin
Erscheinungsdatum: Montag 16.06.2008
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