Der Item-Kunstpreis geht an Gang Shi
In der Einsinger Firma werden 66 Arbeiten der Wettbewerbsteilnehmer gezeigtBundesweite bis internationale Beteiligung findet inzwischen der Item-Kunstpreis für Malerei. Vergeben wurde er auch dieses Jahr in drei Kategorien.
OTFRIED KÄPPELER
Der Item-Kunstpreis versteht sich als ein Förderpreis. Er ist als solcher ausgeschrieben und meist bewerben sich Künstler, die noch an Akademien studieren oder vor kurzem ihr Studium abgeschlossen haben. Zwingend ist das allerdings nicht, wie der Publikumspreis für Daniela Andreatta aus Ulm zeigt. Sie ist Kindergärtnerin und Friseurin, nimmt ansonsten in der Region nicht an Ausstellungen teil.
Aus 160 Bewerbungen wurden 66 Arbeiten für die Ausstellung bei Item und den Wettbewerb zugelassen. Vergeben wurden wieder drei Preise: Der große Preis der Jury (3000 Euro), der Preis der Item-Mitarbeiter (1000 Euro) und der Publikumspreis (1000 Euro).
Den großen Preis der Jury, die mit Stefanie Dathe, Konrad Mock, Willi Hanf, Robert Pfann besetzt war, bekam Gang Shi, der 1978 im chinesischen Qi Qi Ha Er geboren wurde, seit 2001 in Deutschland lebt und letztes Jahr an der Akademie in Essen sein Diplom für Malerei und Grafik erhielt. Den Preis bekam er für sein Bild "Kompakt-Linear-Einheiten". Über einem farblich differenzierten, hellen Farbnebel in Graublau und Weiß liegen feine Lineamente, die sich mittig quer über den Farbgrund ziehen. Auf dem unteren Bildrand verdichten sich zudem Linien zu dunklen, fast plastisch wirkenden Formbündeln. Neben der formalen Gegensätzlichkeit der Linienstrukturen entwickeln sich zwei dynamische Momente: Die waagrechten Linien evozieren eine geordnete, gleichmäßig wirkende Energie; die Linienbündel evozieren eine kompakte Energieentladung. Als wäre das zu viel geordnetes Geschehen auf der unteren Hälfte des Bilds, bricht aus den waagrechten Linien ein feiner, flüchtiger Ausreißer nach oben aus, kommt dann aber doch wieder in das Bündel zurück.
Vergleicht man den Publikumspreis mit dem Preis der Jury, fallen die formalen Unterschiede beider Arbeiten auf. Den Publikumspreis bekam eine recht biedere Zeichnung eines Baums mit Menschenkopf, also eine symbolisch simple Zeichnung, die für das Leben steht. Die Jury wählte dagegen eine abstrakte Arbeit aus, der über differenzierte formale Mittel ein ästhetischer Brückenschlag zwischen europäischer und asiatischer Malerei gelingt und die auf keine Bildsymbolik sondern auf die Kraft der malerischen und grafischen Mittel setzt.
Die Mitarbeiter von Item haben mit Sascha Kaysers "Phasensprung" ein gegenständliches Bild gewählt. Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass es mit den dargestellten Profilen und kleinen Arbeitern als eine Art Werkanleitung verstanden werden kann, in der sich deren Arbeitsalltag widerspiegelt. Der Mitarbeiterpreis sowie die Ausstellung in den Produktionsräumen von Item geben diesem Preis eine ganz eigene Note.
Info
Die Wettbewerbsbeiträge sind bei Item (August-Nagel-Straße 22 in Ulm-Einsingen) bis zum 7. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Mo-Fr 8-16 Uhr.
Erscheinungsdatum: Dienstag 19.05.2009
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