RECHTSEXTREMISMUS / NPD operiert von Schulungszentrale im Ostalbkreis ausVerfassungsschutz rechnet mit Propaganda
Seit Jahren schon gibt es eine aktive rechte Szene im Hohenloher Raum. Jetzt will die NPD mit einem Main-Tauber-Verband, Todesstrafen-Forderungen und Ausländerfeindlichkeit auf Stimmenfang gehen. Woher kommen die jetzt in Niederstetten aufgetauchten Rechten?
MICHAEL SCHWARZ
MAIN-TAUBER-KREIS Zentrum der rechtsextremen Umtriebe im Land ist ein NPD-Schulungszentrum in Rosenberg (Ostalbkreis). In einem ehemaligen Gasthaus hat Lars Käppler, ein deutscher Neonazi und ehemaliger Funktionär der Jungen Nationaldemokraten (JN), dort einen rechten Verlag betrieben. Zahlreiche Aufmärsche und Kundgebungen hat Käppler in den Landkreisen Hall und Hohenlohe organisiert und dabei auch zum Sturm gegen Polizeiabsperrungen aufgerufen. Käppler hat sich nach einem Bericht des "Haller Tagblatt" Ende 2007 aus dem Verlag zurückgezogen, der vom verfassungsschutz-bekannten NPD-Funktionär Roland Wuttke übernommen wurde. In dem ehemaligen Gasthaus "Goldenes Kreuz" hat seit einiger Zeit auch die Landesgeschäftsstelle der NPD mit Alexander Neidlein an der Spitze ihren Sitz. Der ehemalige Bosnien-Söldner und verurteilte Räuber Neidlein gilt als gewaltbereit - das bestätigte der Landes-Verfassungssschutz der TZ. Bei der Versammlung in Niederstetten ließ er sich am Sonntag zum NPD-Kreisverbandsvorsitzenden wählen.
Der Verfassungsschutz rechnet damit, dass es im Main-Tauber-Kreis künftig verstärkt Propagandaveranstaltungen und Infostände auf Markplätzen geben wird.
Parteiübergreifend reagierten Niederstettener Lokalpolitiker entsetzt. Bürgermeister Rüdiger Zibold sieht seine Stadt duch das Auftreten der Neonazis ohne Grund in ein schlechtes Licht gerückt. Joachim Döffinger, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Niederstetten, stimmt es "traurig, dass in meiner Heimatstadt so eine Gründungsversammlung stattfand." Gaststätten könne man aber ihre "Gäste" nicht vorschreiben, auch wenn er es gleichzeitig bedauere, dass "die NPD (noch) keine verbotene Organisation" sei. Extremisten von rechts und links lehne er ab. Döffinger setzt auf Aufklärung und will "der Bevölkerung klar zu verstehen geben, dass diese Extremisten in der Parteienlandschaft nichts verloren haben." Klaus Lahr von der örtlichen SPD hatte sich schon gestern kritisch zu dem Treffen geäußert.
Kreisweit nur 0,19 Prozent
Der neue Verband (mit Postfachadresse in Crailsheim) "hat es sich zur Aufgabe gemacht", die aus seiner Sicht "guten Wahlergebnisse der NPD vor Ort bei den zurückliegenden Wahlen als Auftrag des Wählers anzunehmen, und bei den Kommunalwahlen 2009 anzutreten". Das ließ Neidlein die TZ wissen. Der jetzige stellvertretende NPD-Verbandschef Wolfgang Wüst (Weikersheim) hatte bei der Landtagswahl 2006 in Niederstetten zwei Prozent der Stimmen (46 absolut) erhalten. Kreisweit wählten 190 Einwohner rechts - das waren 0,19 Prozent.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 31.01.2008
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