15-Jährige bedroht "Opfer"
Mitschülerinnen über Internet angegangen - Rektor lässt Schule räumenAm Dienstagabend bedrohte eine 15-jährige Schülerin des Grünewald-Gymnasiums anonym ihre Mitschülerinnen auf das Massivste. Die Polizei konnte bereits gestern die
Täterin ermitteln.
HEIKE HEISE
Tauberbischofsheim Kurz vor 12 Uhr am Mittwochmittag ist es völlig ruhig am Matthias-Grünewald-Gymnasium. Hier, wo sonst 770 Schülerinnen und Schüler in der Pause auf dem Hof toben, lachen und sich auf die anstehenden Ferien freuen, ist es totenstill. Ein Auto fährt direkt vor. Ein Junge springt heraus. Während er den Helm aufsetzt, rennt er zu seinem Fahrrad am Schuleingang. Die besorgte Mutter beobachtet ihn sehr genau dabei.
Gegen 8.30 Uhr am Morgen ließ der Rektor des Gymnasiums, Josef Münster, unter Anwesenheit der Polizei die Schule räumen. Für viele der 770 Schülerinnen und Schüler kam der Unterrichtsschluss sehr überraschend. "Macht Euch keine Sorgen. Es ist nicht schlimm. Ihr seid alle sicher. Aber es ist besser, wenn Ihr jetzt die Schule verlasst und Euch nachhause begebt", so schildert ein Junge der achten Klasse die Worte der Lehrer. Zuvor klärte man die Schüler kurz darüber auf, dass gegen ein paar Schülerinnen der Schule eine Morddrohung ausgesprochen wurde. Das pädagogisch kluge Vorgehen und die Anwesenheit der Polizei wirkte beruhigend auf die Schüler. Ein Sechstklässler schildert die Situation so: "Wir hatten gerade Sport. Da kam ein Lehrer rein und sagte, dass wir ab sofort heute keinen Unterricht mehr haben und wir nachhause gehen sollten. Ich hab erst hinterher erfahren was los war. Aber Angst hatte ich nicht."
Inzwischen machte die Meldung der Bedrohung und der Räumung des Gymnasiums auch in anderen Schulen die Runde. "Wir wussten eigentlich gar nichts. Lediglich, dass gegen das Gymnasium eine Bedrohung gerichtet war. Wir haben uns im Schulkomplex mit dem Geschäftsführenden Direktor Christian Wamser darauf geeinigt, für eine bestimmte Zeit die Türen der Schulen verschlossen zu halten. Wir selbst haben uns dann mit der Polizei in Verbindung gesetzt und konnten nach etwa einer Stunde die Türen wieder öffnen", so Harald Breunig, Schulleiter der Riemenschneider-Realschule in Tauberbischofsheim. Er bestätigt, dass viele Schüler durch Handymitteilungen bereits informiert waren, es aber keine Panik gab, sondern der Unterricht ganz normal abgelaufen sei.
Fakt ist, dass ein zunächst unbekannter Teilnehmer an einem Internet-Chat, der speziell von Jugendlichen genutzt wird, vier Grünewald-Schülerinnen bedrohte und sie als "Opfer" bezeichnete. Diese Chateintragung las ein Bekannter eines der bedrohten Mädchen und informierte seine Eltern darüber. Diese wandten sich unmittelbar an die Polizei. Die speziell im Bereich Internetkriminalität ausgebildeten Ermittler konnten gestern morgen den Standort des Rechners feststellen, von dem aus der Chatroomeintrag vorgenommen worden war. Relativ schnell war die Täterin ermittelt. Inzwischen hatte der Schulleiter auf Grund der Gefährdungslage während der zweiten Unterrichtsstunde die Schule schließen lassen.
Bei der Täterin handelt es sich um eine 15-jährige Mitschülerin. Nach anfänglichem Leugnen gestand sie ihre Tat. Die Motive für ihr Handeln sind jedoch noch unklar. Welches Strafmaß die Schülerin zu erwarten hat, liegt jetzt im Ermessen der Staatsanwaltschaft. Es handelt sich hierbei aber eindeutig um die Tat einer Bedrohung, und die kann nach dem Strafgesetzbuch gegebenenfalls mit Freiheitsentzug bis zu einem Jahr bestraft werden. Gleichzeitig wird überprüft, ob die Täterin für die entstandenen Kosten zur Verantwortung gezogen werden kann.
Polizeipressesprecher Otto Neckermann hofft auf eine angemessene Bestrafung. "Jugendliche vergessen häufig, dass sie sich mit solch einer Drohung strafbar machen können."
In Zeiten von Winnenden und Erfurt muss auch einer 15-jährigen Schülerin klar sein, dass diese Art von Bedrohung nicht einfach auf die leichte Schulter genommen wird. Die schnelle und angemessene Reaktion aller Beteiligten, vom jungen Bekannten über die Eltern, der Polizei und den Schulleiter zeigt jedoch auch, dass sich jeder seiner Verantwortung bewusst ist.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 23.07.2009
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