An der Optik orientiert
Gemeinderat entscheidet sich für den Denkmal-Entwurf von Rolf KlärleEs ist eine fast unendliche Geschichte, die jetzt ihren Abschluss findet: Die Stadt errichtet ein Denkmal zur Erinnerung an die Jüdischen Opfer der Nazi-Zeit. Ausgewählt wurde ein Entwurf von Rolf Klärle.
HANS-PETER KUHNHÄUSER
Bad Mergentheim Hauptamtsleiter Raimund Scheidel war für wenige Tage der bestinformierte Mergentheimer, und er behielt das Geheimnis für sich: Die Namen der fünf Künstler, die einen Entwurf für das Denkmal für die jüdischen Nazi-Opfer im äußeren Schlosshof eingereicht hatten. "Ich weiß es auch nicht", sagte OB Dr. Lothar Barth vor der Abstimmung. Klar war nur: Alle Künstler stammen aus Bad Mergentheim (einer lebt mittlerweile in Igersheim).
Scheidel machte deutlich, dass eine "individuelle Erinnerung", also Namen, Geburts- und Sterbedaten der Menschen jüdischen Glaubens, die einst in der Stadt lebten, die von hier deportiert und später umgebracht wurden, fehle. Die seit 30 Jahren laufende Diskussion über einen solchen Ort der Erinnerung wolle man mit dem Denkmal zu einem Abschluss bringen. "Die Künstler haben sich sehr viel Mühe gegeben. Auch wir haben es uns nicht leicht gemacht, und weil wir nicht wussten, wer welchen Entwurf erarbeitet hat, waren unsere Köpfe frei", betonte Stadträtin Manuela Zahn (CDU), die die Meinung des Auswahlgremiums zu den verschiedenen Entwürfen darlegte. "Wir haben uns an den Materialien und der Optik orientiert", machte Zahn deutlich. Mitglieder des Gremiums waren vier Stadträte, ein Vertreter der Stadtverwaltung, des Landesamtes Bau und Vermögen (das Schloss gehört dem Land), sowie zwei Vertreter des "Freundeskreises ehemaliger jüdischer Mitbürger".
Vorschläge gemacht hatten Dorothea May, Michael Wolfmeyer, Norbert Leufgen, Harry Elsner und Rolf Klärle. Und dessen Entwurf wurde von der Jury präferiert. Die Jury entschied sich für den Entwurf von Rolf Klärle, und der Gemeinderat beschloss bei einer Enthaltung von Karl Zeller (CDU), dem Vorschlag der Jury zuzustimmen und das Denkmal in Auftrag zu geben. "Es hat 30 Jahre gedauert. Jetzt haben wir endliche ein Denkmal, Gott sei Dank", sagte Klaus Dieter Brünette. "Dem können wir uns alle anschließen", betonte OB Dr. Lothar Barth und verwies auf Nachfrage aus dem Gremium auf bereitstehende Haushaltsmittel in Höhe von 20000 Euro.
Klärles Gedenkstein zieht sich von der Fassade beim Polizeirevier auf den davorliegenden gepflasterten Weg. "Der Gedenkstein erwächst aus dem Boden, dem Bad Mergentheimer Boden, also aus unserer gemeinsamen Geschichte", erläuterte Klärle. "So, wie die jüdischen Mitbürger ein fester Bestandteil dieser Stadt waren, so verbindet sich die Stele über eine flächige Bodenplatte fest mit dem Boden unserer Stadt. Sie steht für die gemeinsame Geschichte, das Miteinander hier in Bad Mergentheim vor den Verbrechen des Nationalsozialismus." Diese würden von dem Einschnitt, dem Übergang vom Boden zur stehenden Platte, versinnbildlicht, betonte Klärle.
Erscheinungsdatum: Samstag 25.07.2009
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