Idee eines Pflegezentrums

16 Minuten diskutierte SWR-Moderator Klaus Jancovius mit Verantwortlichen und Betroffenen der geplanten Klinik-Schließung in Hechingen, einen Moment lang schien sich eine gute Lösung abzuzeichnen.

Balingen  Zu hunderten kamen Diskussionswillige, Demonstranten und Zuhörer gestern Abend vors Balinger Landratsamt: Als 'Ländersache' fühlte das SWR-Fernsehteam dem Thema 'Kliniken kämpfen ums Überleben' auf den Zahn - Ein Spot richtete trotz strömenden Regens konsequenterweise auf die aktuelle Thematik in Hechingen.

Mit 'breiter Schulter' stellte sich Landrat Willi Fischer den Vorwürfen und Angriffen aus Patienten- und Mitarbeiterkreisen. Er verteidigte die Situation der Klinik-Gesellschaft und legte jene der Kreisräte dar: Bei einer Auslastung von 70 Prozent der Bettenkapazität aller drei Krankenhäuser sei eine Wirtschaftlichkeit kaum mehr gegeben, das heißt, die Schließung eines Hauses nur konsequent. Patienten und Mitarbeiter indes verteidigten gemeinsam mit Marie-Luise Müller von der Deutschen Gesellschaft für Pflege die Bedeutung der 'menschlichen Nähe eines Krankenhauses, die manche Schmerztablette' erübrige.

Die Hechinger Personal-Vertreterin Gerti Heberle unterstrich ihre Kritik einer fehlenden Konzeption für das Hechinger Krankenhaus. Eine solche, so erläuterte ihre Balinger Kollegin Elisabeth Menholz, könnte beispielsweise in integrierten Behandlungs- und Pflegekonzept für alle drei Häuser liegen. Für solche Pflegezentren plädierte auch Marie-Luise Müller, nicht nur angesichts der alternden Gesellschaft, sondern auch vor dem Hintergrund einer immer aufwendigeren und kostspieligeren Spezialmedizin, deren einzelne Behandlungsplätze zu teuer für langfristige Pflegebehandlung wären.

Von solchen Vorschlägen zeigte sich Landrat Willi Fischer durchaus angetan, er könne sich vorstellen diese in Aufsichtsrat und Kreistag ausführlich zu diskutieren.

Balingens Oberbürgermeister Dr. Merkel zeigte einerseits Verständnis für die Reaktionen in der Nachbarstadt, die nur zu verständlich wären und in Balingen oder Albstadt nicht anders erwartet würden. Die Argumente, wie sie derzeit für die Hechinger Klinik zurecht angeführt würden, ließen sich allerdings auf jedes andere Krankenhaus übertragen. Andererseits mahnte er zur Weitsicht innerhalb der aktuellen Diskussion, auf dass der Zollernalbkreis in ferner Zukunft nicht ungewollt in medizinische Unterversorgung gerate.

Angesichts des Flächenkreises, wie ihn der Zollernalbkreis mit seinen oft weiten Wegen darstelle, läge eben diese Gefahr nahe, ergänzte Hechingens Bürgermeister Jürgen Weber.

Die Aufzeichnung war in der bereits gestern Abend ausgestrahlten Sendung 'Ländersache' im Dritten zu sehen, sie unterstrich die bevorstehende Entwicklung im Krankenhauswesen, in dem in den nächsten Jahren mindestens achttausend Betten im Land, und damit letztlich viele kleine Krankenhäuser, abgebaut würden.
 




Erscheinungsdatum: Freitag 21.01.2005

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