Am kommenden Mittwoch wollte der dubiose Geschäftsführer einer als rechtsextremistisch eingestuften Partei im Sportheim des TSV Frommern reden. Der Vorsitzende hat die Bremse gezogen.
Die Mail landete vorige Woche als Irrläufer im elektronischen Postfach von Thomas Friedrich, Vorsitzender des Vereins Sonnenenergie Zollernalb.
Eingeladen wurde zu einem Vortrag ins Sportheim des TSV Frommern. Bei freiem Eintritt sollten sich Mitstreiter über die Rechtslage in Deutschland informieren können. Von Behördenwillkür ist im diffusen Schreiben die Rede, von rechtlosen Deutschen und breitem Widerstand. Die E-Mail enthält keinen Kopf mit dem Namen einer Partei, der angekündigte Referent Stefan Andreas Görlitz hingegen ist bei den Behörden bekannt: Der Krankenpfleger stand schon mehrmals vor Gericht, weil er Behandlungen vornahm, die Ärzten oder Heilpraktikern vorbehalten ist.
Er ist außerdem Mitglied der in Norddeutschland ansässigen Interim Partei Deutschlands (IPD), die vom Verfassungsschutz Kiel als rechtsextremistisch eingestuft wird. 'Die Mitglieder leugnen die Existenz der Bundesrepublik und behaupten, das Deutsche Reiche bestehe fort', wird ein Verfassungsschützer aus Schleswig-Holstein in Hamburger Medien zitiert. Bundesgeschäftsstelle der Partei ist eine Villa in Großhansdorf bei Hamburg, wo Görlitz vor Anhängern aus ganz Norddeutschland offenbar regelmäßig über die Rechtslage doziert - an der Wand hängt eine Karte von Deutschland in den Grenzen von 1937. Landesverbände gibt es Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein und in Baden-Württemberg.
Thomas Friedrich hat die Balinger Polizei verständigt, die ihrerseits den Staatsschutz einschalten wollte. Informiert wurde auch der Frommerner Ortsvorsteher Hans Uhl, zugleich Vorsitzender des TSV Frommern. Der Verein habe mit der ganzen Angelegenheit rein gar nichts zu tun, versicherte dieser gestern auf unsere Anfrage. Die Anmietung des Saales sei über den Pächter des Sportheims gelaufen.
Er habe unverzüglich reagiert und die geplante Veranstaltung untersagt. Dramatisieren wolle er den Vorfall nicht, so Hans Uhl.
Der Vereinschef hat über den Einzelfall hinaus aber angeordnet, dass im Sportheim des TSV Frommern die Politik außen vor zu bleiben hat und keine Parteiveranstaltungen stattfinden dürfen. Ganz egal, welche Partei an die Tür klopft.