Soll der sanierte Schömberger Kirchplatz nach Caspar Oechsle benannt werden? Am Mittwoch galt es, den bedeutendsten Schömberger genauer kennenzulernen.
Pfarrer Dr. Johannes Holdt stellte bei der Gemeinde den Antrag, den Kirchenvorplatz nach dem bedeutenden, aus Schömberg stammenden letzten Salemer Reichsabt Caspar Oechsle (1752 bis 1820) zu benennen. Bürgermeister Karl-Josef Sprenger und die Gemeinderäte wollten den Vortrag des Oechsle-Kenners Wolfgang Wolpert abwarten, bis sie über eine mögliche Platzbenennung beraten. Am Mittwoch lauschten rund 70 interessierte Bürger den Ausführungen des Zisterzienser-Experten aus Waldshut.
Es war ein spätes Kennenlernen des berühmten Sohnes - denn im vor drei Jahren erschienenen Schömberger Heimatbuch wird der Name Oechsles nicht erwähnt. Ein von Berthold Schuß verfasster Artikel über den Reichsabt musste im letzten Augenblick weichen. Eine Fehlentscheidung, wie Wolpert aufzeigte.
Der Waldshuter Zisterzienser-Kenner nannte Oechsle 'den berühmtesten Sohn dieser Stadt' und ging vor allem auf die unsichere Zeit der napoleonischen Kriege ein. Am 11. März 1802 wurde Caspar Oechsle zum Reichsabt von Salem gewählt und bereits am 1. Oktober 1802 endete sein Regiment, als das Haus Baden im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses Salem übernahm. Von einem 'revolutionären Rechtsbruch' sprach Wolpert und verwies auf den aktuellen Streit um Salem.
Nach der Vertreibung aus Salem lebte Oechsle im Schloss Kirchberg bei Immenstaad. Von dort aus versuchte er, Einfluss zu nehmen auf die Verantwortlichen des Wiener Kongresses. Dort sollte nach Napoleons Sturz Europa neu geordnet werden. Oechsles Hoffnung war die Wiederherstellung der klösterlichen Rechte. In Briefen an Fürst Metternich, Österreichs Kaiser Franz I., Kardinal Consalvi und Papst Pius VII versuchte er, die Situation der Klöster zu verbessern. Kaiser Franz traf er sogar persönlich in Memmingen. Oechsles Bemühungen um ein Wiederaufleben des klösterlichen Lebens in Salem war allerdings nicht von Erfolg gekrönt.
Trotz der diplomatischen Umtriebe sei er 'der Bua von do' geblieben, der die Salemer Monstranz Schömberg vermacht hatte. sagte Wolpert.
Kurz vor der Veranstaltung hatte Diakon Oliver Pfaff ein altes Messbuch mit einer Widmung von Caspar Oechsle im Kirchenarchiv gefunden. Pfarrer Dr. Johannes Holdt wies zudem darauf hin, dass der geborene Schömberger in seiner Kirchberger Zeit als 'Abt der Armen' tituliert worden war. 'Für den Kirchplatz', so Holdt', wäre Oechsles Namen angebracht'.